letter betDer erste Buchstabe stellt Dir eine Frage

Ich habe schon davon erzählt: Ein einziger Buchstabe macht einen großen Unterschied. Ob es “Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde” heißt oder “AM Anfang…”. Natürlich ist es nicht bedeutsam, was da im Deutschen steht, sondern wie es im Original gemeint ist. Aber auch dort beginnt die Bibel mit einem Fehler. Das, was da steht, ist in einer Weise zu übersetzen, die lautet: “Am Anfang von… schuf Gott Himmel und Erde.” Ein Fehler? Es ist ja beinahe unmöglich, dass den Abschreibern der Heiligen Schriften ein Fehler unterlaufen ist. Beim allerersten Wort, beim allerersten Buchstaben? Nein, sehr bewusst muss dieses Wort, diese grammatikalische Unregelmäßigkeit gewählt worden sein.

Ich habe das an anderer Stelle ausführlich hergeleitet, welches Geheimnis dort verborgen ist. Das lässt sich nachlesen unter Auslegungen zu Genesis 1,1/

Heute habe ich ein anderes entdeckt.

In einem einzigen Buchstaben knallen zwei Kulturen aufeinander. Da sind die Einen, die schreiben wollen: “AM Anfang schuf Gott Himmel und Erde.” Sie wollen die Worte der Genesis als einen chronologischen Bericht begreifen. Als eine genaue Beschreibung dessen, was am Anfang der Welt geschehen ist. Aber das macht keinen Sinn wie Rashi und andere gezeigt haben: Die chronologische Beschreibung kommt schon in den ersten Versen durcheinander.

Schon das erste Wort deutet an: Hier geht es nicht zuerst um eine detaillierte Beschreibung von Abfolgen. Die Genesis will nicht beschreiben, aus welchen Ursachen und in welchen Ketten kausaler Zusammenhänge diese Welt entstanden ist. Das Warum ist hier nicht wichtig.

Deshalb sind da die Anderen, die schreiben wollen: “Im Anfang” oder “Am Anfang von…” Sie wollen mit dem ersten Wort auf das Wozu verweisen: Diese Welt ist mit einem Zweck geschaffen worden. Am Anfang von etwas schuf Gott Himmel und Erde. Als Gott Himmel und Erde schuf, da wollte er ETWAS erreichen. Er hatte eine Absicht damit, als er Himmel und Erde schuf. An dieser Stelle bleibt offen, was dieses ETWAS ist. Gott bleibt über seine Absicht geheimnisvoll. Ist es etwas, was er uns verschweigen will? Etwas, das wir ahnen oder an dem wir sogar irre werden können?

Wie, Gott, sollen wir richtig leben, wenn Du uns nicht verrätst, was Deine Absicht mit dieser Welt ist?

Aber vielleicht sind diese drei Punkte des „Am Anfang von …“, das Etwas, nicht als ein Geheimnis gemeint, das Gott vor uns verbergen will. Vielleicht sind diese drei Punkte eine Leerstelle, die wir mit unserem Leben ausfüllen sollen. AM Anfang schuf Gott Himmel und Erde und schon im ersten Moment hatte er eine Frage an Dich: “WAS MACHST DU DARAUS?”

Schon mit dem ersten Wort der Schöpfung stellt sich diese Welt als eine Aufgabe. Eine Aufgabe, für die es keine eindeutige Lösung gibt, sondern nur eine Lösung, die jeder mit seinem Leben auf eine andere Weise beantworten muss. Wenn diese Welt für Dich geschaffen ist, wenn es an Dir ist, diese Leerstelle zu füllen: Wie wird die Welt durch Dich ein Stück mehr vollendet?

Ist das eine Frage? Was ist das für eine Frage? Ist diese Welt denn für Dich geschaffen?

Jeden Tag, jeden Moment ist Dir eine Welt anvertraut, die auf eine einzigartige Weise nur für Dich geschaffen worden ist. Dieser Tag, dieser Moment, den Du lebst, kann nur Dich beantwortet werden. Ohne Dich, ohne Deine Antwort vergeht dieser Moment einfach.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Was ist Dein Etwas, das Du in diese Welt hineingeben kannst? Was ist Dein Segen, den Du für diese Welt bereit hast? Und wie wird dieser Segen Tag für Tag, Moment für Moment Realität?

Dein Leben ist eine große Antwort, die in vielen kleinen Schritten, Momenten und Tagen gelebt werden muss.

Vielleicht meinen die drei Punkte von „Am Anfang von …“ aber auch etwas anderes. Vielleicht sagen sie aus: Gott war dabei etwas zu schaffen und dieses Etwas ist so unbeschreiblich, geheimnisvoll, faszinierend, dass es keine Worte gibt, um es zu beschreiben. Gott war am Anfang von … und es verschlägt den biblischen Autoren die Sprache. Das, was sie dann sehen, können sie nicht mehr in Worte fassen.

Was sahen sie, was sie nicht mehr in Worte fassen konnten? Was immer Gott erschuf, es war gut. Er schuf das eine. Er schuf das Andere und immer war es gut. Fast immer. Denn als Gott den Menschen schuf, da war es sehr gut. War es das, was den biblischen Autoren die Sprache verschlägt? Den Menschen als das Ebenbild Gottes? Wie er noch nicht von der Sünde verzerrt und einfach nur schön, einfach nur die Herrlichkeit Gottes widerspiegelt?

So wie die Augen Gottes leuchteten, als er Dich am Anfang dieser Welt schon schuf und wo es keine Worte gibt, um seine Liebe und Freude für Dich auszudrücken?

Oder meint dieses „Am Anfang von …“ den Zustand der Vollendung der Welt, als Gott am siebten Tag von seinen Werken ruhte? (vgl. dazu Die Ruhe) Etwas, was in einer rastlosen und getriebenen Welt kaum zu erfassen und noch weniger zu beschreiben ist?

Was es auch sei: Wir sehen, ein einziger Buchstabe macht einen riesigen Unterschied und kann uns den Weg zum Herzen Gottes öffnen.