Geht es um Prostituierte, so gibt es in Talkshows und Stammtischen, aber auch in wissenschaftlichen und politischen Argumentationen immer wieder eine Aussage:

Die Prostituierten täten es ja freiwillig und der Sex mit ihnen wäre einvernehmlich.

Mit dieser Begründung wurde die Prostitution in Deutschland derart zu einem normalen Gewerbe legalisiert, dass es für Würstchenbuden mehr Vorschriften gibt als für ein Bordell.

Mal abgesehen davon, wie absurd diese Begründung ist, wenn es sich um Opfer von Menschenhandel dreht, will ich einmal bedenken, was diese Aussage bedeutet.

„Die Prostituierten täten es ja freiwillig und der Sex mit ihnen wäre einvernehmlich“ heißt ja nichts anderes als DU WILLST ES JA AUCH. So ist es weniger gestelzt formuliert.

Auffällig ist, dass diese Aussage immer wieder benutzt wird. Pädophobe* Täter wollten den Sex mit Kindern legalisieren, weil die Kinder es ja auch wollten. Sie täten es freiwillig. „Man müsse doch die Bedürfnisse der Kinder befreien von den Machtansprüchen der Gesellschaft.“ Wie gut, dass bei Kindern diese Aussage nicht mehr gesellschaftsfähig ist.

Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, dann geschieht es oft genau dieser Rechtfertigung: „Sie wollte es ja auch, sonst hätte sie ja nicht so einen kurzen Rock getragen/ mir so einen Blick auf der Party zugeworfen/ …“.

Vermutlich ist das der Grund, warum Frauen in Gesellschaften wie Dubai ins Gefängnis kommen, wenn sie ihren Vergewaltiger anzeigen: „Wie konnte das denn überhaupt passieren? Wie konntest Du im gleichen Raum mit ihm sein? Wie konntest Du überhaupt die Gelegenheit dafür schaffen? Das zeigt doch, dass Du es auch wolltest.“

Das Gegenstück zu diesem Satz lautet: ICH KANN DOCH NICHTS DAFÜR. „Meine Gene, meine Umwelt, meine Kindheit, meine soziale Herkunft … haben mich zu einem pädophoben Menschen gemacht.“ „Ich bin ein Mann. Meine Triebe haben mich durchgehen lassen.“ Sexuelle Orientierungen gelten in unserer Gesellschaft als nicht veränderbar.

Handelt es sich um Opfer, so heißt es: Es ist freiwillig. DU WOLLTEST ES DOCH AUCH. Handelt es sich um Täter, so heißt es: Ich wurde getrieben. ICH KANN DOCH NICHTS DAFÜR.

Beide Sätze sind also nur gemacht, um Täter-Opfer-Strukturen zu rechtfertigen. Beide Sätze sind Verschleierungen der Gewalt. Man kann die Bibel von Genesis 3 an, als einen großen Exodus aus der Gewalt betrachten. Als eine lange Geschichte, in der die dem Menschen innewohnende Gewalt zunächst eingezäunt und dann überwunden wird.

Wärest Du Gott, wie würdest Du sicherstellen, dass der Sex zwischen zwei Menschen, noch dazu allzu oft zwischen einem Stärkeren und einer Schwächeren wirklich freiwillig und einvernehmlich ist?


„Pädophil“ hieße, dass jemand Kinder liebt. Er ist aber pädophob, weil er Kinder hasst.