Es geht nicht darum das Leid in der Welt zu erklären noch warum ein Mensch in Krisen gerät. Es geht darum, sich näher anzuschauen, was Versuchungen bedeuten können. Von Jesus heißt es, dass er vom Geist in die Wüste geführt wurde und dort vom Satan versucht wurde. Offensichtlich war es also kein Fehler, dass er in diese Situation geraten ist.

Es geht darum zu klären, wie wir zu der rechten Person werden können, die in guter Weise damit umgeht, was ihr anvertraut worden ist. Dass wir es nicht missbrauchen, um unseren Kopf aus der Schlinge zu ziehen oder um uns einen kleinen oder großen Vorteil zu verschaffen.

Über Jesus heißt es, dass er Gehorsam lernen musste. Wie wäre die Welt geworden, wenn Jesus nicht die rechte Person gewesen wäre? Wenn er die Gelegenheit genutzt hätte und sich durch das satte Volk zum König krönen lassen hätte? Wenn er den Satan in Petrus nicht bedroht und auf Golgatha nicht bis aufs Blut gebetet hätte und die Legionen von Engel herunter beschworen hätte, um ihn vor dem Kreuz zu bewahren? Vielleicht hätte die Welt ein paar Texte mehr von einem weisen Menschen und ein paar Berichte von einem Wundertäter, aber es hätte alles keine Bedeutung. Jesus wäre einer von vielen Räubern gewesen.

Jesus ist in der Wüste versucht worden, weil ihm etwas anvertraut werden sollte. Das Volk Gottes ist in die Wüste versucht worden, weil ihm etwas anvertraut wurde: das Wissen und das Geheimnis um den Gott, der diese Welt geschaffen hat und sich auf dem Berg Sinai offenbart hat.

Der Aspekt der Versuchung ist nicht das Leid, der Mangel, die Entbehrung, die Krise. Der Aspekt der Versuchung ist, dass jemanden etwas anvertraut ist und dass er die rechte Person dafür sein muss, aber die falsche Person sein kann.

Man könnte viele Dinge aufzählen, die uns davon abbringen können, die rechte Person zu sein – und doch beschränkt sich die Bibel auf 3 Versuchungen in der Wüste*. Jesus erzählt von den 3 Ackerböden die nicht die gute Frucht hervorbringen**. Der Talmud kennt die Geschichte von 3 Rabbinern, die das Geheimnis Gottes erkannten – und dabei doch verloren gingen***. Es ist der vierte Ackerboden, der Frucht bringt und der vierte Rabbi, der unbeschadet bleibt.

Der Rabbi Tzadok legt die Geschichte der vier Rabbiner aus und schildert 3 Dinge, die uns davon abbringen können, die rechte Person zu sein. Von diesen 3 Dingen will ich in den nächsten Wochen erzählen.

Es ist uns etwas anvertraut. Es kommt darauf, die rechte Person dafür zu sein. Du kannst die rechte Person dafür sein.

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* Wenngleich dort 21 Versuchungen angedeutet sind, wenn man diesen Bericht mit der Wüstenwanderung des Volkes Gottes auslegt.
** Seit Jahren beschäftige ich mich mit diesem Gleichnis und so lange dämmert mir, dass ich erst anfange, es zu verstehen.
*** Four entered pardes: Ben Azai and Ben Zoma, Aher and Rabbi Akiba.     [Talmud Hagigah 14b: Rabbi Akiba said to them: ”When you come to the pure shaking stones, do not say. ‘Water! Water!’, for Scripture states, ‘A speaker of lies will not stand before my eyes’ (Psalms 101:7)”.]     Ben Azai peeked and died.  Regarding him it is written, “Precious in the sight of the Lord is the death of His saints” (Psalms 116:15).  Ben Zoma peeked and was afflicted.  Regarding him Scripture states, “Hast thou found honey?  Eat so much as is sufficient for thee” (Proverbs 25:16).  Aher peeked and cut off the shoots.  Regarding him Scripture states, “Do not let your mouth cause your flesh to sin” (Ec­clesias­tes 5:5).  Rabbi Akiba entered safely and emerged safely.  Regarding him Scripture states, “Draw me, and we will run togeth­er; the king has brought me into his chambers; we will be glad and rejoice in you, we will find love more fragrant than wine” (Canticles 1:4).