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Gott sprach:
Sprießen lasse die Erde Gesproß,
Kraut, das Samen samt,
Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist,
auf der Erde!
Es ward so.
Die Erde trieb Gesproß,
Kraut, das nach seiner Art Samen samt,
Baum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist.
Gott sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: dritter Tag.

Licht, Wasser, Himmel und Erde sind geschaffen.

Die Genesis kristallisiert präzise diese 4 Elemente heraus.

Den Urhebern der Genesis wird unterstellt, dass sie von der ENÛMA ELÎSCH abgeschrieben hätten, dem babylonischen Schöpfungsmythos.(1)

Wer weiß das schon so genau? Was man jedoch sagen kann, ist, dass die ENÛMA ELÎSCH ein Text ist, der magisch-mythologischen Denken entspricht. Jene Phase der Menschheit, in der Gegenstände und die Natur beseelt sind, Götter sind. Götter kämpfen auf bestialische Weise um die Vorherrschaft gegeneinander. Hexerei und Horror kennzeichnen diesen nicht-jugendfreien Text.

Wenn die biblischen Autoren davon abgeschrieben hätten und sich damit von ihm abgrenzen wollten, so hätten sie Gutes damit getan: Mit der Genesis ist einer der schönsten Texte der Weltliteratur ist entstanden. Mit ihrer Vorstellung von der Welt und vom Menschen haben sie etwas geschaffen, was bis heute nicht wieder erreicht worden ist.

Indem sie 4 Elemente beschreiben, lösen sie sich vom magisch-mythologischen Denken und treten ein in die Phase des philosophischen oder wissenschaftlichen Denkens. Ob das nun vor den Griechen geschehen ist, parallel zu ihnen, oder ob sie hier auch schon wieder abgeschrieben haben sollen, weiß ich nicht.(2) So oder so: die biblischen Autoren waren schlaue Menschen, die entweder Denkströmungen erfunden haben oder die stark genug waren, um sich mit den vorherrschenden Denkströmungen auseinanderzusetzen und ihnen ein eigenes, ich sage mal: besseres, Weltbild entgegenzusetzen.

Am dritten Tag der Schöpfung taucht nun ein neues Prinzip auf. Bisher sind Elemente geschaffen oder voneinander geschieden worden. Nun sprießt aus einem Element, der Erde, etwas Neues hervor: Gesproß. Kraut und Bäume mit einer Eigenschaft: Sie können sich selbst wieder reproduzieren.

Nur weil man Dinge schon immer so gemacht hat, muss man sie nicht immer weiter so machen. Eins der bestimmenden Elemente des jüdischen Volkes ist, dass sie von Völkern umgeben waren, von denen sie sich abgrenzen sollten. Sie waren umgeben von Völkern, die dem magisch-mythologischen Denken verhaftet waren, die Menschen und Kinder opferten. Sie standen in diesem reißenden Strom von „So haben wir das schon immer gemacht…“ und sie riefen: „Und wir werden es anders machen!“

Man kann die Bibel, DEN WEG, insgesamt als einen Exodus aus der Gewalt dieser Welt betrachten. Aus Diskriminierung, Rassismus, Herrschaft. Das jüdische Volk hat diesen Weg begonnen.

In der Zeitenwende zwischen magisch-mythologischen Denken und Antike haben sie eine neue Richtung eingeschlagen.

Wie es scheint, stehen wir heute wieder vor dem Eintritt in eine neue Zeit. Die Moderne ist vorbei. Wir wissen noch nicht viel über die neue Zeit und können sie nur Post-Moderne nennen. Haben wir die Kraft und den Intellekt uns mit den reißenden Denkströmungen auseinanderzusetzen und damit einen Weg in die Zukunft zu bahnen? Oder verfallen wir dieser Welt einfach nur?

Quellen:
(1) http://www.joerg-sieger.de/einleit/allgem/04meth/all50.htm#d
http://www.theismus.de/?p=24
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Elemente-Lehre