JOKERFACE

what so funny (c) by YariK @ photocase.de ID4898763 ID160510Stille Wasser sind tief. Einige Menschen haben es so sehr verinnerlicht, vergeben zu müssen. Bei ihnen ist kaum eine Regung zu erkennen. Sie sind sehr freundlich, höflich. Manchmal sogar unauffällig. Man bemerkt sie kaum. Sie machen keine Mühe und keine Probleme. So scheinen sie sehr angenehme Zeitgenossen zu sein.

Das Gefährliche an Gewässern sind die Strömungen unter der Oberfläche. Der Kosmos der Batman-Filme deckt die Masken dieser unauffälligen, freundlichen Menschen auf und entblößt die gefährlichen Strömungen.

Da ist zum einen der Joker, der Gegenspieler Batmans. Wie wahnsinnig will er diese Welt brennen sehen. Da gibt es keinen Grund und kein Ziel mehr und auch nichts mehr, was ihn stoppen kann. Als er zeitweilig verhaftet wird, da sind sie nahe dran, ihm auf die Spur zu kommen. Und doch fassen sie ihn nicht. Obwohl aus seinen Kleidern und seinem Lebenslauf sämtliche Spuren getilgt sind, entdecken sie nicht, dass der Joker gerade der Mensch ist, der nie auffällt. Der nie Probleme macht. Er ist der Mensch, der aus Unauffälligkeit auftaucht und gerade deswegen immer wieder unerkannt in ihr verschwinden kann. Er ist der Mensch, der immer lächelt. Jede Verletzung und jede Demütigung herunterschluckt. So sehr, dass ihm das Lächeln in das Gesicht eingeritzt, eingeätzt zu sein scheint. So sehr, dass er für alle nur noch ein weiß geschminkter Clown ist, über den sie ihre Späße machen. Da ist keiner, der seine Wut sieht, wie seine Haare sich schon grün vor Wut färben. Doch eines Tages kommt der Zahltag und er entflammt und mit ihm die Welt um ihn herum. Er will dann nur noch zerstören. Das Jokerface verbirgt unter einem Lächeln den angestauten Zorn.

Zum anderen ist da TwoFace. Er ist einer der anderen grossen Gegenspieler Batmans. Ein Säureunglück zerstörte und entstellte die Hälfte seines Gesichts. Seine Wut hat ihn doppelzüngig, doppelgesichtig gemacht. Über lange Zeit ist er der Gute, der Strahlende, der Held. TwoFace stellt den angesehenen, ja oft eleganten Menschen dar, den Liebling der Gruppe. Einen, der eine anerkannte Stellung in der Gruppe hat und es zu etwas gebracht hat. Doch die Rache verzehrt sein (halbes) Gesicht. Zielstrebig sucht er sein Rachedurst zu löschen. Obwohl er der Gute zu sein scheint, ist er doch der Böse.

Auch Batman selbst ist nie der Held, sondern die tragische Figur in all’ den Filmen. Er ist der Dark Knight – der schwarze Ritter, der als Kind die Ermordung seiner Eltern sah. Ruhelos treibt die Rache ihn Nacht für Nacht heraus, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch je mehr er das Böse zu besiegen scheint, desto mehr beschwört er gerade die wahrhaft bösen Gegenspieler herauf. Wie kann er das Böse besiegen, ohne selbst zum Bösen zu werden? Das ist das Dilemma, an dem er zerbricht.

Vielleicht verkörpern sogar alle Hauptfiguren im Filmkosmos des Batman Menschen, die nach außen hin freundlich oder strahlend sind, aber im Inneren vor Wut kochen. Der Kosmos dieser Figuren ist während des Dritten Reiches entstanden und ihre Wut ist allzu real. Viele tausend Menschen haben gesehen, wie vor ihren Augen ihre Liebsten entrissen und ermordet worden. Ihre Wut ist allzu berechtigt. Wie kann Gerechtigkeit geschehen?

Etwas zu vergeben, muss mehr bedeuten, als seine Wut in einen tiefen See zu versenken. Die Wut darf nicht nur heruntergeschluckt werden, so dass an der Oberfläche eine heile Welt erscheint, es aber in der Tiefe umso mehr brodelt. Wir lesen das Wort, dass wir nicht nur 7x7, sondern 7x70 vergeben sollen und spüren unsere Hilflosigkeit: Wie können wir wirklich vergeben und vergessen? Wie können wir unseren Zorn nicht nur in einen tiefen See, sondern in die Tiefen des Meeres versenken, dass er nicht mehr auffindbar ist?


Die ganze Blogreihe: DER WEG DER VERGEBUNG



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