“Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.” (Matthäus 18,15)

Wenn wir jemanden verletzt haben und an ihm Unrecht getan haben, so sollen wir nicht in ein abgrundtiefes schlechtes Gewissen verfallen und uns überlegen, wie wir das wieder gutmachen können. Wir sollen auch nicht auf die Barrikaden gehen und eine Verteidigungshaltung einnehmen. Wir sollen ihm einfach zuhören.

Es gibt keine Standardmethode des Zuhören. In den verschiedenen Kulturen, zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Charakteren und unterschiedlichen Fähigkeiten äußert sich das Zuhören jeweils anders. Es geht darum, glaubhaft zu machen: “Ich habe dich verstanden. Ich habe gesehen, was ich getan haben und wie ich dich verletzt habe. Ich habe es vorher nicht gesehen, aber jetzt sehe ich es. Das tut mir leid.” Dabei gibt es keine Standardformulierungen. Für unsere Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren hilfreiche Prinzipien herauskristallisiert:

Zuerst einmal geht es darum, aufmerksam zu sein. Nicht abgelenkt zu sein und mit anderen Sachen beschäftigt zu sein. Das Handy auszuschalten. Den Körper dem Anderen zugewandt und bereit hin und wieder, den Augenkontakt aufzunehmen. Mit Nicken und durch Worte oder Töne dem anderen zu signalisieren: Ich folge dir.

Eine Methode des aktiven Zuhören ist es zu wiederholen, was der Andere gesagt hat und dabei möglichst die gleichen Worte zu benutzen. Nicht zu bewerten oder eine Schlussfolgerung daraus zu ziehen: “Ich habe gehört, dass du dich von mir übergangen fühlst. Du fühlst dich dann so, als ob du mir nichts bedeutetest.”

Etwas mehr Geschick braucht man, wenn man das Gehörte nicht nur wiederholen, sondern den Anderen spiegeln will, das Gesagte und das Ungesagte. Wenn man wiedergibt, was etwa die Körperhaltung, die Stimmlage oder die Worte zwischen den Zeilen ausdrücken. Das Schwierige ist dabei, wirklich den Anderen wahrzunehmen und nicht seine eigene Interpretation hineinzulegen. Das Spiegeln muss daher immer mit einem Rückfragen verbunden sein: “Ist es so?” Mit Leichtigkeit muss man bereit sein, seine gedachte Spiegelungen wieder abzustreifen. Immerhin ist man hier derjenige, der verletzt hat und der gerade zurechtgewiesen werden soll. Da wäre es umso mehr falsch, auch noch seine Überlegenheit zu demonstrieren.

Das macht es auch schwer, vielleicht für einen selbst unangenehmer, noch einen Schritt weiter zu gehen: Dem Anderen zu helfen, die richtigen Worte zu finden. Man arbeitet dann intensiv an der eigenen Zurechtweisung mit. Folgende Fragen können dabei helfen: Was ist geschehen? Wie hat sich das zugetragen? Wie hast du das erlebt? Was hat es mit dir gemacht? Wie hast du dich gefühlt?

Es geht darum, glaubhaft zu machen, dass man zugehört hat. Dass man verstanden hat, was das Unrecht im Anderen ausgelöst hat und dass es einem leid tut. In der Praxis bietet sich an, dass zum Schluß nochmal zu wiederholen: “Es tut mir leid. Ich habe gesehen, dass ich dich … und dass du dich dabei … … …”.

Manchmal sollte man es allerdings nicht zu kompliziert machen. Es geht nicht darum, bestimmte Kommunikationstechniken anzuwenden, sondern dem anderen zu zu hören und ihm Verständnis zu zeigen. Manchmal ist es wirkungsvoller, wenn man einfach eine Ohrfeige kassiert und zugibt: Die habe ich verdient.


Christian Weisbach: Professionelle Gesprächsführung

11 RACHE IST KLEBRIG-SÜSS

"Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten." (Johannes 4,13+14) Zu jedem kostbaren Original gibt es eine billige Kopie. Statt des lebendigen Wassers, das uns kühlt,...

10 UNERHÖRT

"Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen." (Matthäus 18,15) Wenn der Andere an uns Unrecht verübt, werden wir zu Opfern. Ein Opfer kann sich oft nicht selbst...

09 GEMEINSAM UNTERWEGS

"Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde." (Matthäus 18,16) "Hört er nicht auf dich", leitet nun die Schritte ein, die notwendig sind, wenn eine Versöhnung und Vergebung...

08 5 PHASEN DER VERGEBUNG

Vergebung auszusprechen und zu empfangen kann ein mühevoller Weg sein. Wenn wir mit jemanden den Weg der Vergebung durchgehen, dann brauchen wir meist 1,5 bis 2 Stunden und müssen gut darauf aufpassen, dass keine Abkürzungen genommen werden. Wir haben 5 Phasen der...

07 DENN DU SIEHST MICH

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05 GEMEINSCHAFT

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04 Bevor wir vergeben

Petrus ist der Mann, der die Notwendigkeit der Vergebung begriffen hat. Gleichzeitig spürt er, wie schwer es ist zu vergeben: "Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?" (Matthäus 18,21). Vielleicht fragt Petrus so,...

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Als die Israeliten aus Ägypten auszogen, wurden ihnen auf dem Berg Sinai die 10 Gebote offenbart. Auf dem Weg in die kommende Welt verkündigt Jesus auf einem Berg die Grundsätze, die in jener Welt gelten. Diese Grundsätze stellen sich gegen das, was in dieser Welt...

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Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Hiob 42,10 Hiob Hiob hatte allen Grund sich zu beschweren. Ein Sturm durchzog sein Leben - Haus, Hof, Herden: Sein ganzer Besitz wurde zerstört. Seine Kinder getötet. Fiebrig,...

DER WEG DER VERGEBUNG

Wir werden nicht frei und glücklich leben können, solange die Wut in uns brodelt oder schlummert. Als Christen wissen wir, dass wir vergeben müssen – aber wir wissen oft nicht, dass etwas geschehen muss, bevor wir vergeben können. Wie können wir vergeben, was wir nicht vergeben können?